Ich bin froh in Deutschland leben zu dürfen, denn hier herrscht ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Vernunft. Danke an unsere besonnenen Politiker.

Nichts desto trotz fürchte ich  – falls nicht bald so etwas wie Normalität einkehrt – das Schlimmste. Am Ende werden wir mehr Tote durch Panik, Selbstmorde und Verzweiflungstaten haben. Die Hilfsbereitschaft wird abnehmen und am Ende ist sich jeder selbst der Nächste. Die Geschichte hat das eindringlich gezeigt.​

Ich gehöre altersbedingt (66) zur Risikogruppe und wäre deshalb gerne bereit, Einschränkungen, die exklusiv für uns gelten würden, in Kauf zu nehmen. Denn ich betrachte diese nicht als Diskriminierung, sondern im Gegenteil als Fürsorge. Darüber hinaus könnten weniger Gefährdete und Genesene versuchen, unsere angeschlagene Wirtschaft halbwegs zu stabilisieren. Was spricht dagegen? Die Meisten von uns sind nicht mehr verpflichtet, für den Gelderwerb zu sorgen. Es wäre ein Leichtes, zu Hause zu bleiben, um den Übrigen das Arbeiten zu ermöglichen.​

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich fast nur ältere Mitbürger, die - ohne sich in irgendeiner Form zu schützen - an der Bushaltestelle warten. Warum verpflichtet man uns Gefährdete nicht dazu, wenigstens Atemschutzmasken zu tragen, wenn wir aus dem Hause gehen? Warum stellt man der Altersklasse 65+ nicht diese Masken, Handschuhe und Schutzbrillen ausreichend gratis (ich habe sie bereits) zur Verfügung?​

Ebenso müsste gewährleistet sein, dass die sogenannte Risikogruppe den täglichen Bedarf nicht selbst besorgen muss. Aber das funktioniert ja jetzt schon sehr gut.​

Und dann könnte man sukzessive zum Alltag zurückkehren, z.B.:​

Restaurants könnten auf 50 % ihrer Bestuhlung verzichten und damit einen ausreichenden Sitzabstand gewährleisten.  Bei Biergärten ginge das noch leichter. Wenn wir wegbleiben, ist ohnehin mehr Platz.​

Theater und Kinos würden nur noch 35 % der verfügbaren Plätze verkaufen und alle Gäste müssten sich in entsprechendem Abstand setzen. Sie könnten natürlich Masken tragen, soweit diese bis dahin verfügbar seien. ​

Das Gleiche könnte man für Einzelhandelsgeschäfte einführen. Eine grüne Ampel an der Tür zeigt an, wenn ein Kunde eintreten darf. Das würde verhindern, dass zu viele Kunden auf einmal in einem Laden stünden.​

Wir - die Risikogruppe - könnten nahegelegene Restaurants, Friseursalons, Boutiquen u.ä. bitten, uns  Gutscheine für eine spätere Inanspruchnahme zu verkaufen, die – um uns diese Entscheidung zu erleichtern – gerne einen Mehrwert haben könnten.  ​

Auch Airlines könnten diesem Beispiel folgen. Damit wären sie alle schnell wieder flüssig.​

Sehr gerne bin ich bereit für eine baldige Rückkehr in das Leben, wie wir es vorher kannten, notfalls sechs Wochen zu Hause zu bleiben.  Das wäre ein kleines Opfer im Vergleich zu all den großen, die von uns allen zu stemmen sind. ​

Übrigens, unter diesen widrigen Umständen bekommen wir einen Einblick, wie es Flüchtlingen in Lagern ergeht, ohne Hoffnung und ohne Würde.  Vielleicht können wir nun den Lagerkoller besser nachvollziehen, der Flüchtlinge in ihrer ausweglosen Situation befällt. Zeit für etwas mehr Mitgefühl.​

Es gibt ja auch positive Nebeneffekte. Nicht nur das Klima erholt sich ein wenig, sondern es wird auch weniger Verkehrstote geben. Jetzt ist die Kreativität jedes Einzelnen gefordert wie nie zuvor. Und vielleicht wendet sich Manches nach der Krise zum Besseren.​

Ich bin mir sicher, dass die Altersgruppe 65+ und Vorerkrankte - dieses Vorgehen mehrheitlich unterstützen werden. ​

Ihre
Roswitha Kammerl
Golf Tours St. Andrews®

roswitha.kammerl@golftour.de